Die 90er

Die Wende, Disco in den 90ern

Anfang der 90er wurden aus Schallplattenunterhalter Discjockeys. Discjockeys gab es auch schon in der DDR. Aber eben nicht so richtig: Discjockeys waren die großen Jungs. Die arbeiteten in der Einstufung „S“. Dann gab es noch die Berufs-Diskjockeys. Die waren wieder eine Klasse für sich. Nun zurück: Was wurde anders? Kurz: man brauchte keine „Staatliche Spielerlaubnis für Schallplattenunterhalter“, man benötigte nur noch einen Gewerbeschein, damit der Staat seine Steuern bekam. Ob alle eine Steuererklärung verfasst haben? Alles war frei. So sind wir gestartet.

Unser Start

Zunächst lief alles weiter wie bisher, Trabi, Warturg, Lada mit Hänger. Die ersten haben sich dann schon einen T3 zugelegt, aber 1989 war das nicht unbedingt selbstverständlich. Wir registrierten den Wegbruch von Restaurants, beobachteten wie neue Häuser entstanden (und wieder eingingen), waren so gesehen von der Freiheit beeindruckt und zu tiefst getroffen. So nahm der, ich nenne es bewusst, Verfall seinen Lauf. Investoren und Glücksritter aus dem Westen haben sich für 1 Deutsche Mark in Kulturhäuser und Klubs von Konsum und HO eingekauft, haben mit großen (bayrischen) Brauereien Theken und Musikanlagen eingebaut und haben in Ruinen Geld generiert, welches dann in den Westen gewandert ist. Eine neue Generation von DJ’s hat das erkannt, sind in diese Häuser gegangen und haben zum Teil für „lau“ aufgelegt. Ton- und Lichtanlagen brauchten sie keine, die war ja da.

Bittere Erkenntnisse

Das ganze Geschäft ging, wie kann es anders sein, nicht lange gut. Die Gasthöfe im Erzgebirge gingen zum Teil an Alt-Besitzer zurück, die Arbeitslosigkeit wuchs Anfang der 90er, es wurde immer schwieriger an lukrative Angebote zu kommen. Und so starben gut laufende Restaurants und Kneipen, die einer neuen Generation in den 2000ern Platz machen sollten. Eine Fahrt durch Erzgebirge, Lausitz oder Thüringen zeigt noch heute Spuren und Ruinen der Vergangenheit.

Um als Wander-Disco bestehen zu können, musste manches Zugeständnis gemacht werden, was wir auch taten, wer also die ersten fünf Jahre überbrücken konnte, konnte froh sein.

Meinungsfreiheit am Mikrofon

Ich kann mich noch gut an eine der ersten Veranstaltungen des Jahnsdorfer Carnevals Verein (JCV) erinnern, die haben im Februar 1990 so richtig vom Leder gezogen. Die Büttenrede war geprägt von Spott über die alte Führung und der „Knast“ wurde, weil es ja jetzt Freiheit gab, erst einmal abgeschafft. Keiner von den im Saal rumschnüffelnden Stasi-Leuten hat es gewagt einzugreifen, die ja sicher da gewesen sind und sich die Leute sehr genau angeschaut haben. Die DDR existierte noch.

Da gab es auch noch die Musik

Wir DJ’s im Osten Deutschlands begannen bereits 1989 von Vinyl und Kassetten auf CD’s umzusteigen. Meine Maxi-CD-Sammlung aus den 90ern ist legendär. Wir haben aufgelegt und es krachen lassen (wo es nur ging). Damit waren wir auch in der Lage Anlage und Licht auf einen aktuellen Stand zu bringen.

Spielorte der 90er

In den 90ern traten wir u.a. in Jahnsdorf (Grüne Aue), Adorf (Gasthof), Limbach-Oberfrohna, Chemnitz (Altenhain), Thalheim (Ratskeller), Augustusburg (Augustuskeller), Oederan (Waldcaffee), Frankenberg (Kosmos-Bar im alten Volkshaus), Hainichen (Kulturhaus), kurz im Umkreis Chemnitz und des Erzgebirges auf.

Kulturhaus Hainichen bespielten wir zu Beginn der 90er Jahre. In meiner Erinnerung haben wir unsere Anlage neben der Bühne aufgebaut. Tolle Veranstaltungen, ein wenig wie früher.

Gasthof „Grüne Aue“ Jahnsdorf: Zu Beginn der 90er gab es die Grüne Aue in Jahnsdorf noch. Der Gasthof war hoffnungslos (aber nicht unrettbar) verfallen, musste jedoch „Altersgerechten“ Wohnungen weichen. Wobei dieser Zweck durchaus akzeptabel war, sind es doch die alten Gäste gewesen, die da ein neues zu Hause gefunden haben. Es ist toll, gib mal in die Suchmaschine Deiner Wahl „Gasthof Grüne Aue Jahnsdorf“ ein, Du wirst eine Menge Bilder, Infos und Begriffe dazu finden.

Ende der 90er ist uns der Augustuskeller auf Schloß Augustusburg besonders ans Herz gewachsen. Als Konkurrenz zum „Schaufel“ (Schloßgaststätte) war der Keller immer ein Kleinod, in dem viele tolle Veranstaltungen gelaufen sind. Silvester, Einlagen des Kurfürsten (dargestellt durch den Schauspieler Matthias Brade), Tanz-Darbietungen, Oldtimer-Treffen, eine gute und tolle Küche. Die damalige Geschäftsführerin, unsere Kathrin war auf Ihren Augustuskeller besonders stolz.

Zu den 90ern …

die 90er stehen für eine neue Musik-Kultur. Stilrichtungen wie Techno und House nahmen Einzug in alle angesagten Clubs. Dr. Motte, Westbam, Marusha und Scooter sind nur einige Beispiele für diese neue Zeit. Du konntest Dich den Beats nicht mehr entziehen. Die Discjockeys dieser Zeit arbeiteten anders als in den 80ern. Mit Techno hielt die elektronische Musik Einzug auf die Tanzböden. CD’s und Vinyl wurden mit Sequenzen und Drum Computern kombiniert. So produzierte Hits stürmten die Hitparaden.

Der Rest ist Geschichte…